Die Syphilis oder Franzosenkrankheit

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Die Syphilis oder Franzosenkrankheit

Beitrag von fetisch Aeon » So 16. Jan 2011, 12:49

Die Syphilis oder Franzosenkrankheit
Symptome

Die Syphilis macht sich durch Geschwüre an Schleimhäuten und Lymphknoten bemerkbar. Im fortgeschrittenen Stadium werden auch Organe, die Haut und das zentrale Nervensystem befallen. Ist das Auftreten der Geschwüre oberflächlich, also an Haut und Schleimhaut, sieht man rote, offene oder geschwollene Veränderungen in der erkrankten Region.
Die Syphilis im Ausgang des Mittelalters

Die Syphilis tritt erst am Ausgang des Mittelalters auf und wird auch "Franzosenkrankheit" genannt. Der Name rührt daher, dass nach der "Kolumbus-Theorie" der Erreger der Syphilis durch die Entdeckungsreisen Kolumbus' nach Europa eingeschleppt worden ist. Von Spanien verbreitete sich der Erreger der Syphilis nach Frankreich und von dort nach Deutschland. Die Deutschen im Mittelalter sahen die Krankheit zuerst bei ihren Nachbarn, den Franzosen, deshalb der Name "Franzosenkrankheit".

Die Syphilis wütete anscheinend schlimmer als Lepra, sie war schwer zu erkennen und schwer zu behandeln. Die Übertragung der Seuche geschah durch Geschlechtsverkehr oder Ähnliches. Es ist eine venerische Krankheit, die den ganzen Körper vergiftete. Das Heer Karls VIII. von Frankreich steckte sich 1495 in Neapel mit Syphilis an und trug die Krankheit in der Folge über ganz Europa.

"Sie verschonte weder hoch noch nieder, weder reich noch arm und bereitete der bisher ungebundenen Fleischeslust bittere Sorgen. Die Frauenhäuser gingen zum großen Teil ein und die Badestuben verschwanden, weil sie Hauptherde der Ansteckung waren, ohne dass aber die Menschen gesitteter wurden. Hatten sie nun in den Badestuben nicht mehr die Möglichkeit zum Geschlechtsakt, so sank die Sittlichkeit infolge verschiedener Umstände noch viel tiefer, bis eine lange Leidenszeit den Menschen wieder zur Gesinnung brachte." (Grupp, G. Kulturgesch. des Mittelalters, Paderborn: 1925)

Quelle: http://www.deutschland-im-mittelalter.de/ernaehrung.php

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Re: Die Syphilis oder Franzosenkrankheit

Beitrag von fetisch Aeon » So 16. Jan 2011, 12:49

Angst und Schrecken verbreitete gegen Ende des 15. Jhs. und im gesamten 16. Jh. die Lustseuche Syphilis, die Kolumbus und seine Besatzung aus dem 1492 neu entdeckten Amerika mitgebracht hatten. Seit dieser Zeit hielt diese neue Geschlechtskrankheit ihren Siegeszug in Europa und machte vor keiner sozialen Klasse Halt. Landsknechte, Bischöfe, Domherren, Grafen, selbst Kaiser Maximilian I., Patrizier, Mönche und Nonnen hatten an ihr zu leiden.

1. Phase der Syphiliserkrankung: 2-4 Wochen nach der Infektion erscheint der harte Schanker (links), ein schmerzloses, derbes, braunrotes Geschwür; in der Mitte ist ein vernarbter Schanker und rechts ein mehrfach verhärteter Schanker abgebildet

Schon gegen Ende des 15. Jhs. wußten die Menschen, daß man sich die Krankheit hauptsächlich über den Geschlechtsverkehr mit infizierten Leuten zuziehen konnte. Aber im Gegensatz zu unserem heutigen Problem Aids konnte die Syphilis zumindest gegen Ende des 15. Jahrhunderts und im 16. Jahrhundert auch durch die Berührung erkrankter Haut- bzw. Schleimhautstellen, durch das Tragen der Kleidung von Infizierten und durch die Benutzung ihres Eß- und Trinkgeschirrs übertragen werden. Hatte man sich angesteckt, bildeten sich zunächst an den Genitalien oder zuweilen auch an anderen Stellen des Körpers flache Hautgeschwüre. Darauf folgten Hautausschläge am gesamten Körper. Bis zu markstückgroße Hautknötchen, die von einer gelblich-dicken Borke überzogen waren, bildeten sich schließlich im Gesicht, an den Armen, den Beinen und am restlichen Körper. Erst nach Monaten pflegten sie unter Bildung von netzartigen Narben abzuheilen. Bei einigen Syphilis-Erkrankten jedoch begannen sie auch zu wuchern, zu zerfallen und tiefe fressende Geschwüre zu bilden.

2. Phase der Syphiliserkrankung: 9-10 Wochen nach der Infektion entsteht ein typischer hell- bis braunroter fleckiger Ausschlag an Haut und Schleimhaut

Im dritten Stadium traten dann nach fünf, zehn oder noch mehreren Jahren Hirnerweichung, Rückenmarkschwindsucht, Lähmung der Gliedmaßen, Lungenzerfall, Herzmuskelerkrankungen, Leberschrumpfung, Gefäßerkrankungen, Schrumpfnieren, Geschwürbildungen an Magen und Darm, Geschwürbildungen am ganzen Körper und die Knochenzerstörungen auf. Dabei konnten sich die zerfressenen aufgetriebenen Knochen säbelartig krümmen. Wenn die Krankheit schließlich auf die Bänder und Sehnen übergriff, kam es sogar zu Spontanverrenkungen, die so große Schmerzen verursachten, daß viele Betroffene keinen anderen Ausweg mehr als den Selbstmord wußten.

Geholfen werden konnte den Erkrankten nicht. Nur der Tod erlöste die Leidenden. Aber natürlich versuchte man zu heilen. Um 1500 gab es zwei Verfahren: Die Schmier- und die Holzkur. Bei der Schmierkur wurde der Erkrankte mit einer Quecksilber-Schweineschmalz-Emulsion eingerieben; bei der Holzkur benutzte man das teure, dunkle und schwere Guajakholz. Dessen geschabten Späne wurden zu Aufgüssen gebrüht, deren Schaum man zu Umschlägen verwendete. 1529 brachte Paracelsus die Holzkur in Verruf, so daß schließlich nur noch die Schmierkur angewendet wurde. Nach heutiger Sicht war das ein fataler Schritt, denn die Holzkur war mit einer zusätzlichen Schwitzkur verbunden gewesen, die z.T. Erfolge erzielte.

Die noch gesunde Bevölkerung reagierte mit diesem lebensbedrohlichen Problem – wie gewöhnlich – mit der Isolierung der Kranken. Entweder kamen diese in speziellen Sondersiechenhäusern unter oder durften – wie in Frankfurt a. M. – ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Schlimmstenfalls trieb man sie aus Stadt und Dorf und überließ sie ihrem eigenen Schicksal.

Quelle: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_X9.html

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