3. Jägerlatein

Wie Carima entstand, wie es wuchs und aus welchen Ideen und welcher Motivation heraus es geschaffen wurde - hier ist die OOC-Story dazu.
Antworten
Sergio Charisma
Administrator
Beiträge: 205

3. Jägerlatein

Beitrag von Sergio Charisma » Di 24. Sep 2013, 03:44

Nachdem der junge Held aus dem Kerker entlassen wurde, kehrte er zurück in das dunkle Schloss, wo man ihn IC wie OOC wieder freundlich aufnahm. Seine Wunden heilten und er erwies sich weiterhin als loyales Mitglied jener dunklen Gesellschaft. Es musste arbeiten, um sich seinen Platz in der Hierarchie zu sichern, aber es fehlte ihm an nichts. Er hatte eben angefangen, dieses Leben zu akzeptieren - an unterster Stelle der Rangordnung, aber nicht allein, wie die Bettler in den Strassen. Er hungerte nicht, er fror nicht, und er war nicht allein. Seine Familie nannte sich "Die Jäger der Nacht". Vampire, die nach Blut jagten, Werwölfe, die nach Fleisch lechzten, Dämonen, die nach Seelen gierten, und Hexen, die gerne loyal waren zu allen, denn die Familie war Schutz vor den Menschen, die dem Wort Gottes folgten, und Hexen gerne als Grund sahen, der legalen Mordlust zu frönen. Und ein paar Menschen wie er, die denen dienten, die ihn schützten.
"Dunkle Wesen" nannte man damals uns Anwärter auf eine dieser Rassen, solange wir noch normale Menschen waren. Man hatte also diese begehrte Gruppe, musste aber erst noch beweisen dass man das Zeug zum richtigen Jäger hatte. Heute denke ich, das war die schwerste Phase im Leben eines Spielers in Carima. Die Jäger erkannten einen noch nicht als vollwertigen Spieler an, und für die anderen war man sowieso uninteressant, weil man durch den Gruppentitel schon sah - der ist ohnehin schon anderswo untergeschlüpft - wird also kein Ritter, Adel, Elb, etc. mehr. Aber wir dunkle Wesen hatten ein Ziel - und eines Tages erfüllte sich mein sehnlichster Wunsch und zugleich mein schlimmster Albtraum. Meine Meisterin besann sich eines Abends, dass es mich noch gibt, und ohne es vorher OOC zu wissen, wurde ich im Saal des dunklen Schlosses zu ihrem Opfer. Ich konnte kaum so schnell schreiben, wie meine Emotionen hoch kamen, als sie mein Blut trank. Das ist der Moment, auf den man wartet. Leider ging mir das alles viel zu schnell, aber es war dennoch OOC ein tolles Gefühl, endlich dazu zu gehören. IC war es weniger toll - ich musste schon wieder mal sterben und ich wusste - mir würde nicht die Zeit bleiben, es so zu emoten wie ich es gerne würde. Kaum das ich mein Blut meiner Schöpferin gelassen hatte, bekam ich einen Arm vors Gesicht gehalten, also tat ich was mir logisch schien - ich biss hinein. Ich trank - um mein Leben, ein neues Leben, ich wollte sein was sie war, ich wollte... .... noch soviel tun und sagen, doch leider musste der Rest irgendwann off, kurz nach dem man mich dazu verdonnert hatte, ein Vampir zu werden. Das wollte man noch rasch erledigen, immerhin wartet er ja schon so lang, und ....
Liebe Mira, lieber Mariusz, die ihr alsbald eure eigenen Kinder erschaffen werdet - bitte lasst es mich wiederholen: Dies ist "Force" - auf höchstem Niveau. Force RP ist gutes RP, wenn alle Teilnehmer die Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen (nicht bloß "wollen"). Wollt ihr eure Kinder wandeln, aber es fehlt die Zeit dazu? Dann verschiebt es lieber auf die nächste freie Nacht, die ihr ganz eurem Nachwuchs widmen könnt. Das Leben eines Vampirs kennt nicht viele Freuden, nicht viel Hoffnung auf eine Zukunft. Der Vampir lebt von Erinnerungen, er lebt in der Vergangenheit. Er wird dieses RP nie vergessen, weder der Char noch der Spieler selbst, und es liegt an euch, ihn durch diese Ereignis zu führen. Macht daraus eine unvergessliche Nacht, setzt einen Meilenstein im Leben des neuen Vampirs. Es ist nicht von Belang, ob es besonders dramatisch, besonders brutal, besonders traurig oder auch besonders komisch anmutet - die Hauptsache ist, es ist "besonders".

Wenn wir heute von früheren Zeiten reden, dann pflegt mein IC-Sohn Mariusz oft zu sagen: "Ich war als neugeborener Vampir allein, ich hatte niemanden, der mir IC was beibrachte. Daher bin ich vielleicht nicht so wie du mich haben wolltest." Er hat recht - als er draußen frei herumlief, ein neugeborener Vampir ohne Wissen was er ist und wie er überleben soll... saß sein toller Herr Vater im Elbenkerker, und es tut absolut nichts zur Sache, ob der dort vor Sorge fast um den Verstand kam oder nicht. Es war nicht zu ändern. Meine eigene Geschichte lief nicht mal ganz so anders ab als die meines geschätzen Nachwuchses. Aber damals waren "andere Zeiten", wie man so schön sagt. Damals gab es viel mehr von allem - aber kaum emotionles RP. Einerseits eine Katastrophe für ein Vampiseelchen wie meines, aber andererseits konnte ich nirgendwo mehr aus Erfahrung lernen wie damals... in jener unseligen Nacht....

Nachdem mein Ava die Nacht seiner Wiedergeburt auf einer Couch im dunklen Schloß verbracht hatte, bar seines Verstandes und ohne Ahnung was er nun wirklich war, behandelte man ihn am nächsten Abend wie einen der anderen Vampire. Meine Schöpferin nahm mich damals OOC zur Seite und sagte zu mir "Ich denke, den Jungvampir sparen wir uns, du hast genug Erfahrung" - und schon war ich Vampir. Über das Hinaufstolpern auf die vampirische Karriereleiter, auf der ich eine juvenile Vampirstufe mal eben so übersprang, war ich natürlich furchtbar stolz. Dazu muss man auch erwähnen, dass meine schöpferin - ihres Zeichens GF der Jägergruppe - keine große Gegenwehr der anderen zu befürchten hatte. Damals wurde noch akzeptiert, was Admins, Owner, GF und andere Autoritäten bestimmten. Nicht so glimpfich kam man als gehorsamer Untertan davon. Aber das Wort war gesprochen und so hatte es zu sein. Ich machte mich also auf um mir neue Kleider zu besorgen um das zur Schau zu tragen was ich bin. Ich konnte nun auch bereits perfekt fliegen - also brauchte ich ein paar dieser Dämonenflügel, von denen es damals genau EIN vernünftiges Paar auf dem Marktplatz zu erstehen gab. Mein Weg war vorbestimmt. Und es musste schnell gehen. Jener noble Herr, der mich in meinem allerersten RP über 4 Stunden auf die Probe gestellt hatte, entpuppte sich als großartiger Lehrmeister in Sachen Strategie und Philosophie, und viele seiner Weisheiten wurden mir als Gesetz eingeprügelt - und zwar von jenem anderen Lehr - oder besser Kampfmeister, der aus dem einst schwächlichen Jüngling eine Kampfmaschine von einem Blutsauger machen wollte. Und aus welch unerfindlichen Grund auch immer man mich bis übers RP hinaus dazu brachte, bezahlte Überstunden sausen zu lassen, nur um zum Kampftraining nicht zu spät zu kommen - ich spielte es jedenfalls freiwillig mit. Man kannte damals ein sehr gutes Mittel, um mich im RP gefangen zu halten. Man nannte es "Die schwarzen Krieger". Ich hatte Zeit meines Lebens viele Rollen im RP, aber niemals einen echten Krieger. Aber man hatte soviel Lob und Vertrauen in mich investiert - und ja - ich wollte diese Herausforderung. Ich kaufte mir Waffen. Schwerter und einen Bogen, den mein Kampfmeister mir als "den einzige Wahren" angepriesen hatte - und ich wollte mich keinesfalls lumpen lassen, also kaufte ich dieses sündteure Teil. Wir trainierten also... Stunden - tagelang. Vom einloggen bis zu der Minute, da der Kopf schon fast auf den Tasten ruht. Man hat mir später oft erzählt wie schön es auf der Sim "Woods" war. Ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich nur an jenen Ort dort, den ich fast täglich mit meinen Waffen umgepflügt habe. Mein Kampfmeister war nicht streng - er war ein Berserker. Ein Schlächter. Im RP-technisch positiven Sinn natürlich. Sein mentaler Genosse, der Philosoph, musste oft als Seelsorger herhalten, wenn der große Krieger mit seinen wüsten Umschreibungen meiner bescheidenen Kampfleistung wieder einmal klargestellt hatte, dass aus mir nie ein schwarzer Krieger werden würde. Aber ich ließ nicht locker... und so unbegabt ich auch schien und so sehr ich mit dem DCS auch auf Kriegsfuß stand... ich wurde besser. Ich glaubte es selbst kaum, aber ich wurde besser, von mal zu mal. Immer seltener kam es vor dass ich einen Trainingskampf blutüberströmt beenden musste. Ich wurde schneller, ausdauernder, meine Bewegungen koordinierter - und ab und an musste auch mein Kampfmeister zugeben, dass seine herausragende Fähigkeit, anderen etwas beizubringen, endlich Früchte tragen würde. Abermals wurde ich gefragt ob ich ein schwarzer Krieger werden will.. ein Mitglied einer Eliteeinheit von RPlern also, die vor keiner Situation zurückschrecken - komme was da wolle. Die schwarzen Krieger kennen keine Limits, keine Tabus - sie kennen nur Ehre. Mehr denn je wollte ich das - also bekam ich verschiedene Aufgaben, die ich im RP zu erledigen hatte, um zu beweisen, dass ich dieser Ehre würdig war. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an eine dieser Aufgaben, und auch daran, wie ich dafür OOC und mit schlotternden Knien in die IM einer gewissen Elbenkönigin gekrochen bin, um ihr zu gestehen dass ich einen Elben töten soll....
Es war ein unglaubliches Ereignis, ein schwarzer Krieger zu werden. Aber ich konnte es nicht lange genießen. Ich habe diese Umstände schon sooft erzählt, dass ich sie hier nur kurz anschneiden möchte. Letztendlich musste mein Kampfmeister aufgrund zu "kampfbetontem" RP Carima verlassen. Ich will hier nicht näher darauf eingehen. Aus Solidarität verließen auch die anderen schwarzen Krieger das Land und ich stand wieder einmal vor den Scherben meiner Träume. In einer unvergesslichen letzten Nacht vor der Abreise fand ich mich mit meinen beiden Lehrmeistern in der Stadt von Carima wieder. In einem Anfall von Wut und Trauer rissen wir die Banner der Krieger vom dunklen Schloß und flegelten uns durch die Stadt. Mir graute vor jedem Stein, jeder Baum rief in mir Aggression hervor, ich konnte keine Blümchen mehr sehen, kein scriptgesteuertes Vogelgezwitscher mehr hören. Der Zorn meiner Weggefährten richtete sich gegen die Stadtwache, die bis zum Morgengrauen lichterloh in Flammen stand, nachdem wir spielerisch unsere Rache vollendeten. Dann begleitete ich die beiden zum Hafen, fest entschlossen, mit ihnen zu gehen, wohin auch immer. Der Teufel weiß, warum sie mich zurückliessen. "Du bleibst hier Sergio - du hast hier noch etwas zu erledigen" - das waren die letzten Worte der schwarzen Krieger zu einem der Ihren, ehe sie ihr Schiff ins Nirgendwo nahmen. Aber zuvor bekam ich noch etwas von meinem Kampfmeister - das Banner der schwarzen Krieger - eine einfache Textur, von ihm selbst gefertigt - doch für mich war sie ein Zeichen der Ehre und der Treue, und unbezahlbar. Die Sonne ging auf, und ich stand noch immer am Hafen, den Blick nach Osten gerichtet; welch ein dramatischer Moment für einen Vampir. In meiner Hand hielt ich symbolisch einen ovalen Prim mit dem Banner der Krieger, wie einen Schild... ich war wieder allein, wieder hat man mir den Grund meiner Existenz geraubt, wieder stand ich ganz am Anfang..
power(emot)ed by C.C. - Charisma Creations... by Carima

Antworten