11.) Die große Strafe

Wie Carima entstand, wie es wuchs und aus welchen Ideen und welcher Motivation heraus es geschaffen wurde - hier ist die OOC-Story dazu.
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Sergio Charisma
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11.) Die große Strafe

Beitrag von Sergio Charisma » Mo 27. Jul 2015, 06:04

Viel ist geschehen in den letzten Tagen.
Wenn ich auf die Dinge zurückblicke, muss ich mich zwangsläufig fragen: "Was zur Hölle will ich noch hier?" Mein Leben im bisherigen Carima scheint unreal, utopisch, und geradezu Einbildung gewesen zu sein. Ich frage mich nicht mehr, warum ich keine Freunde mehr habe... ich frage mich lediglich, ob ich überhaupt je welche hatte, und wieso sich alles so schlagartig ändern musste...
Die Zeit in SL vergeht schneller als im RL. Beziehungen, Freundschaften, alles ist nur erfunden, nur ein Spiel, nur ein Hobby, dem man ab und an mal Zeit, vielleicht auch Geld - niemals aber auch nur einen Deut mehr widmet. Woran liegt es?
Hätte man mir heute vor 5 Jahren gesagt, ich hätte einmal 2 eigens gemietete Sims in SL, die ich nach Lust und Laune gestalten kann, hätte ich herzlich darüber gelacht. Das war etwas, was viele sich heimlich wünschten, aber nur wenige realisieren konnten. Ich selbst hätte mich nie dazu entschlossen. Und dennoch spielte das Schicksal mir ausgerechnet Carima in die Hände. Und nun?
Niemand kommt durch Zufall hierher und erlebt eine solche Geschichte wie ich. All unsere Geschichten haben einen Sinn, eine Bestimmung.
Seit meinem ersten Tag in SL und Carima versuche ich, Unterschiede zu erkennen zwischen den Menschen. Die einen waren mir auf Anhieb sympathisch, die anderen versuchte ich verstehen zu lernen, bis es mir gelang. Eine sehr lange und glückliche Zeit lang dachte ich, hier mit allen gut auskommen zu können. Später hat man mir nach und nach die Augen geöffnet. Und oft waren es gerade die, die mir beibrachten, was wahre Freundschaft ist, die mich letztendlich auch lehrten, dass man Freundschaft hier nicht zu schätzen weiß.
Ich weiß nicht wie es kommt, aber ich fühle mich ziemlich einsam. Nicht als Person, sondern in meinem Denken. Als ob ich der einzige Mensch mit einer Einstellung wie der meinen wäre. Abgesehen von Mira, die die Leidtragende meiner dahingehenden Gefühle ist. Ich frage mich - hab ich die vergangenen Jahre, die Erinnerungen an Zeiten, die nur ein, zwei Jahre zurückliegen tatsächlich nur geträumt? Wo sind diese Menschen, die mir damals so viel Mut und Kraft gegeben haben, um eine Last wie Carima auf mich zu nehmen? Ich habe ihnen lange nachgetrauert, nachdem sie Carima verlassen haben.

Wenn die Geschichte,
in der Du gefangen warst,
ihre Kraft verliert und wie magisch
Schlösser auseinanderfallen,
schwere Eisentore sich von Geisterhand bewegen
und die Burg, in der Du saßt sich in Luft auflöst,
erkennst Du,
dass weder die Geschichte,
noch die Schlösser und die Burg
jemals wirklich war...
(Text: © Niranjana – Aus dem Herzen 7/14)


Wie schon erwähnt - Abschiede sind mein persönliches Todesurteil, damit kann ich einfach nicht gut umgehen. Wann immer jemand mir sagte, er würde gehen.. Carima oder gar SL verlassen, brach für mich meine kleine heile Welt in sich zusammen. Für manche mag meine Reaktion darauf übertrieben gewesen sein, allerdings hat sie auch bewirkt, dass ich diesen Leuten ehrliche und aufmunternde Worte schrieb, um sie zumindest nicht ganz aus meinem Leben verschwinden zu lassen. Einige gingen dennoch. Sie gingen sogar soweit, mir die Schuld daran zu geben, denn mit einem Schuldigen ist es immer leichter, eine solche Entscheidung zu treffen. Andere konnte ich überzeugen, zumindest auf anderem Weg mit mir in Kontakt zu bleiben. Einer, der mir sehr nahe stand, erkannte, dass ich etwas brauche, was mir hilft, einen positiven Aspekt trotz Abschiedes in Erinnerung behalten, und schenkte mir zu diesem Thema ein ergreifendes RP. Aber gleich, wie jemand ging - er ging niemals ganz aus meinem Herzen.
Seitdem sind nun viele Monate vergangen. Menschen, mit denen ich früher tagtäglich Zeit verbrachte, existieren nicht mehr. Auch der Ort, an dem man diese vertrauten Gesichter traf, liegt unter einem Haufen Sorgen und Bauschutt begraben. Manchmal trifft man sie noch, irgendwo. Meist auf den Sims anderer bekannter Gesichter von früher. Manche lassen sich aus Höflichkeit zu ein paar Worten hinreißen, andere verbergen sich hinter anderen Namen oder teleportieren weg, sobald ich auf sie zugehe. Jene aber, die sich tatsächlich auf ein Gespräch einlassen, geben mir auch nicht mehr Hoffnung. Meist üben sie Kritik, erinnern an meine vielen Fehler von früher, ahnen verbal meine heutigen Fehler und enden ihre Aussagen mit ihrer Meinung, was ich hätte besser machen müssen. Ich versuche nichts zu erwarten. Kein Verständnis, keine Gnade für den Delinquenten. Ich erwarte auch nicht mehr, dass man den Sinn meiner einstigen Bemühungen zu schätzen weiß. Und dass ich es mir hätte um Vieles leichter machen können, wenn ich nur an mich, und nicht an etwas viel Wichtigeres gedacht hätte, versuche ich ebenfalls zu verdrängen. Natürlich ist da manchmal der Wunsch, die erste ihrer Fragen wäre "Wie gehts dir?", und nicht "Wie weit bist du mit Carima? Gibts das überhaupt noch, und wie lange baust du da nun schon dran..??"
Ja, ich bin der festen Meinung, das ist nun die Strafe dafür, dass ich dachte, ich wäre anders. Nicht besser... aber doch anders als der Rest. Nicht der "Leichenfledderer", und nicht der "Lügner" oder "Diktator", sondern jemand, der versucht, etwas Gutes zu bewirken. Einer, der seine Kenntnisse nicht nur nutzt um besser dazustehen als andere, und der seinen Humor nicht nur zum Herumalbern gebraucht, sondern um andere aufzuheitern und über deren Fehler mit einem Schmunzeln hinwegzusehen. Ich zähle vielleicht nicht jeden zu meinen Freunden, "like" und teile nicht jedes noch so alberne Bild und wenn ich meinen Kommentar abgebe, dann ist er stets gut durchdacht und auf Schreibfehler geprüft. Aber ich war der Meinung, das wäre der bessere Weg, der respektvollere und ehrlichere. Eine ganze Weile dachte ich, das wäre ein sinnvoller Beitrag zu einem höheren Niveau, in dem man sich auch ernsthaft und höflich bewegen kann ohne sich verstellen zu müssen. Mir war nicht bewusst, dass sich dafür andere ändern oder verstellen müssten, und erst recht nicht, dass das für mich keiner freiwillig tun würde. In einer Welt, in der es schon zuviel der Ehre ist, wenn einem in einem Gespräch Satzzeichen und eine manierliche Wortwahl zuteil werden, was kann einer wie ich, der Respekt und Sympathie erhofft, da überhaupt erwarten? Vielleicht die viel gerühmte Ehrlichkeit, auf die jeder so stolz ist, der ein echtes Bild von sich im Profil trägt oder seine Meinung überall zum besten gibt?
Es ist Zeit sich zu ändern. Auch für mich. Nein, nicht um euch zu gefallen. Vielmehr um dem gerecht zu werden, das man mir ohnehin nachsagt. Man sagt, es ist einsam an der Spitze, auch wenn es nur um die Führung einer Sim geht. Aber das ist es jetzt auch. Also werde ich künftig von meinem oft beneideten Thron auf euch herabsehen und zufrieden sein, wenn ihr es auch seid. Mit dem Unterschied, dass ihr es nur sein werdet, wenn ich es vor euch bin. So wird aus einer Strafe eine gerechte Strafe. Sei sie auch noch so wohlverdient, ich war nicht der Einzige mit Fehlern unter euch. Ich war da wenn ich sah, dass ihr mich brauchtet. Als ich euch brauchte, musste ich lange nach euch suchen, und die meisten werde ich wohl nie wieder finden.
Vielleicht wundert ihr euch über den Vergleich mit der Strafe. Ich versuchs zu erklären:
Es gab eine Zeit, in der wurden in Carima Feste gefeiert. Auch OOC. Zu Geburtstagen und Rezzdays. Mein geliebtes RP wurde für so viele Anlässe pausiert, um an diesen Ehrentagen mit Freunden zu feiern. Keines dieser Geburtstagskinder musste um diese Feiern bitten, oder gar für einen Ort dafür bezahlen. Dereinst gab es genug Platz, genug Gäste, und genug Freunde, die mithalfen, damit so etwas zum Erfolg wurde. Solche Angelegenheiten waren für mich ein ein Zeichen des Respekts vor der zu feiernden Person, und zudem noch ein gutes Argument vor der Königin, um Sims upgraden zu lassen. Allein, ich selbst habe mich nie in den verhassten Mittelpunkt einer Party gestellt. Wohl, um nicht andere von Wichtigerem abzuhalten oder zu einem Höflichkeitsakt zu verpflichten. Nicht im Traum hatte ich daran gedacht, dass man mir auch das irgendwann vielleicht als Überheblichkeit oder sonderbares Verhalten vorwerfen könnte. Voriges Jahr war es, zu meinem Rezzday... da erzählte ich wiedereinmal jemandem, wie sehr ich meine Freunde aus Carima vermisse. Eine ungezwungene Unterhaltung, abseits vom RP, so wie es früher mal gewesen ist, als ich noch dachte, ich hätte Freunde, die mal einen Abend für mich opfern würden dafür, so wie ich es stets ohne Zögern tat. Dieser "Jemand" fragte ohne bösen Hintergedanken, wieso ich denn nicht einfach jetzt meine einstigen Freunde zu meinem Rezzday einlade.
Ihr wißt noch immer nicht, was das mit einer Strafe auf sich hat?
Habt ihr euch je versucht vorzustellen, ihr hättet eine Menge Leute eingeladen und keiner würde erscheinen?
Vor rund 2 Wochen hatte ich Geburtstag. Ich feierte ihn im RL, mit RL Freunden. In der folgenden Nacht träumte ich meinen Geburtstag in Carima. Es gab einen Club, einen DJ, und Mira hatte sich mit der Deko große Mühe gegeben. Ich wollte lange vor dem ersten Gast da sein und wartete... ich wartete und wartete, aber niemand erschien.
Der Gedanke wird mich wohl mein ganzes Leben lang nicht mehr loslassen....
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